Berufsbildungsbereich

Der Berufsbildungsbereich ist für die jungen Menschen, die zu uns kommen, ein neuer Lebensabschnitt. Hier werden sie in das Arbeitsleben eingegliedert und werden bei den wichtigen Schritten ihrer Persönlichkeitsentwicklung begleitet. So werden die Menschen mit Behinderungen – wir nennen sie „Beschäftigte“ – ein wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft innerhalb der Werkstatt.

 

 

 

Vor dem eigentlichen Bewerbungsverfahren finden Gespräche zwischen den

verschiedensten Förderschulen und den Werkstätten Gottessegen statt, in denen die

Abgangsjahrgänge gesichtet werden. Aus den daraufhin eingehenden Bewerbungen wählen

wir junge Menschen mit Behinderungen aus und laden diese zu einen dreiwöchigen

Schülerpraktikum in die Werkstätten Gottessegen ein. Während dieser Zeit lernen die

Bewerber und deren Eltern die täglichen Abläufe innerhalb einer Arbeitsgruppe und die

zusätzlichen therapeutischen Angebote unserer Einrichtung kennen. In einem

anschließenden Gespräch mit den Schülern und Eltern wird die weitere Vorgehensweise

besprochen.

Die so entstandene Liste der Neuaufnahmen in die Werkstätten Gottessegen wird dem

Fachausschuss (bestehend aus Vertretern der Werkstatt, der Arbeitsagentur, des LWLs

sowie anderer Rehabilitationsträger) vorgelegt. Diesem Gremiun obliegt der Vorschlag für

die Teilnehmer an dem Eingangsverfahren.

 

Teilnehmer des
Berufsbildungsbereichs 2006

 

Nach den Betriebsferien im August eines jeden Jahres beginnen dann alle

neuen Beschäftigten mit dem dreimonatigen Eingangsverfahren, das mit

einem Einführungskurs zur Integration in den Werkstattalltag beginnt.

Im Anschluss an das Eingangsverfahren wird anhand eines Eingliederungs-

plans geprüft,

» ob der Bewerber weiterhin in der Werkstatt arbeiten möchte;

» ob der Bewerber für die Werkstatt geeignet ist;

» ob der Bewerber für andere berufliche Fördermaßnahmen geeignet ist;

» ob der Bewerber das Potenzial für den ersten Arbeitsmarkt besitzt.

Nach dem Eingangsverfahren beginnt der Berufsbildungsbereich. Dabei durchläuft der neue Beschäftigte innerhalb

eines Jahres fünf bis sechs unterschiedliche Arbeitsbereiche (Berufsfindung) innerhalb der Werkstatt, in denen

verschiedene Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden und die berufliche Förderung stattfindet. Darüber hinaus

ist die Persönlichkeitsentwicklung und die Förderung des Sozial- und Arbeitsverhaltens ein wesentlicher Bestandteil

der Förderung.

 

Der abschließende Bericht dient der erneuten Vorlage des Fachausschusses und beschreibt die Leistungsfähigkeit

des Menschen mit Behinderung mit dem Ziel einer möglichen weiterführenden Förderung (Vertiefungsjahr).

Während des Vertiefungsjahres ist der Beschäftigte fest in eine selbst gewählte Arbeitsgruppe integriert und verfolgt

dort langfristig angelegte und höherwertige Lernziele. Dazu zählt u.a. die Arbeit an Maschinen und Geräten, das

Unterscheiden von Materialien, die eigenständige Durchführung von wiederkehrenden Arbeiten und die Aufnahme

bzw. Verarbeitung von optischen und akustischen Informationen.

Am Ende des Berufsbildungsbereichs steht die Lossprechung aller Teilnehmer, die die Aufnahme in den Arbeits-

bereich der Werkstattgemeinschaft symbolisiert.

Die Berufsbildung und die anschließende Lossprechung ist mit der handwerklich-technischen Ausbildung im

allgemeinen Berufsleben gleichzusetzen. Durch eine gemeinsame Feierstunde im Beisein der Werkstattmitglieder

und Eltern wird die Bedeutung dieses Ereignisses für den/die Einzelne/n und die übrige Gemeinschaft unterstrichen.

 

Lossprechung im November 2007 von insgesamt 14 Teilnehmern des Berufsbildungsbereichs

 

Was zeichnet den Berufsbildungsbereich der Werkstätten Gottessegen aus?

Die Werkstätten Gottessegen bieten den Eltern bzw. Betreuern der Beschäftigten

während des gesamten Zeitraums – von den ersten Bewerbungsgesprächen bis

zur Lossprechung – einen intensiven Austausch und Kontakt an. So finden

regelmäßige Elternnachmittage in den Werkstätten Gottessegen statt, bei denen

über die Entwicklungen der Beschäftigten und zusätzliche sozialtherapeutische

Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung gesprochen wird.

 

Eltern bzw. Betreuer haben die Möglichkeit zur Mitgestaltung im Vorfeld der

Freizeitmaßnahme im ersten Jahr des Berufsbildungsbereichs, die zur Festigung

der Gemeinschaft und zum besseren Kennenlernen auch außerhalb der Werkstatt

dient.

Weiterer fester Bestandteil ist die Kunsttherapie, die für jeden Teilnehmer im

ersten Jahr des Berufsbildungsbereichs verbindlich ist. Hier werden während der

wöchentlichen Treffen die Kreativität, die Fingerfertigkeit und das Durchhalte-

vermögen gefördert. Ausstellungen der so entstandenen Bilder und Plastiken

finden anlässlich verschiedenster Veranstaltungen innerhalb der Werkstätten

Gottessegen statt.

 

Die Tätigkeit der Mitarbeiter geht aber über die Betreuung der Beschäftigten innerhalb der zwei Jahre im

Berufsbildungsbereich hinaus.

So werden laufend – gemeinsam mit den Gruppenleitern – Angebote für die Beschäftigten entwickelt, die bereits

erlernte Inhalte erhalten bzw. ausbauen:

» Schreib-/Lesekurse

» Rechenkurse

» Computerkurse

Diese Kurse werden z.T. gemeinsam mit dem KOBI - Kommunikatives Bildungswerk e.V. durchgeführt.

 

Weitere Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung entstehen z.B. auf Anregung der Beschäftigten.

Die Mitarbeiter des Berufsbildungsbereichs organisieren und begleiten dann diese Maßnahmen und stehen als

Ansprechpartner zur Verfügung.